Entwicklungen und Auswirkungen auf die Schweinehaltung
Die Initiative Tierwohl (ITW) entwickelt sich kontinuierlich weiter – und mit ihr auch die Anforderungen an die teilnehmenden Betriebe. Ein zentrales Thema der kommenden Jahre ist die sogenannte durchgängige Nämlichkeit, die ab 2027 zur Voraussetzung für die ITW-Teilnahme wird.
Für viele Betriebe stellt sich aktuell die Frage:
Wie wirkt sich diese Umstellung auf bestehende Lieferbeziehungen und Vermarktungsstrukturen aus – und welche Chancen entstehen daraus?

Was bedeutet Nämlichkeit konkret?
Unter Nämlichkeit versteht man, dass ein Tier von der Geburt bis zur Schlachtung innerhalb eines durchgängig ITW-teilnehmenden Systems verbleibt.
Das bedeutet:
- Sauenhaltung, Ferkelaufzucht und Mast sind vollständig im ITW-System eingebunden
- Tiere werden nur innerhalb dieser geschlossenen ITW-Ketten weitergegeben
- nur unter diesen Voraussetzungen ist künftig eine Vermarktung als ITW-Schwein möglich
Damit verändert sich die bisher häufig stufenweise organisierte Zusammenarbeit zwischen Betrieben erheblich.

Ausgangslage in der Praxis: gewachsene Strukturen in der Schweinehaltung
Die Schweinehaltung in Deutschland ist historisch stark arbeitsteilig aufgebaut. Viele Betriebe sind auf einzelne Produktionsstufen spezialisiert und arbeiten in langjährig etablierten Lieferbeziehungen zusammen.
Genau hier setzt die Umstellung an:
Für die Nämlichkeit müssen diese bestehenden Strukturen künftig noch enger miteinander verknüpft werden.
Aktuelle Einschätzungen aus der Branche zeigen, dass bereits heute ein erheblicher Teil der Tiere zwar am ITW-System teilnehmen, aber noch nicht durchgängig entlang aller Produktionsstufen geführt wird.

Herausforderungen und Anpassungsbedarf in den Lieferketten
Die Umstellung auf geschlossene ITW-Ketten bedeutet für Vermarkter und landwirtschaftliche Betriebe eine organisatorische Weiterentwicklung. Besonders im Fokus stehen dabei:
die Abstimmung zwischen Ferkelerzeugern und Mästern

die Verfügbarkeit passender ITW-Partner entlang der Wertschöpfungskette

betriebsindividuelle Voraussetzungen für mögliche Umbaumaßnahmen

sowie die Frage nach langfristigen Vermarktungs-beziehungen

Gleichzeitig zeigt sich, dass viele Betriebe grundsätzlich bereit sind, sich an die neuen Anforderungen anzupassen – sofern passende Partnerschaften und Rahmenbedingungen vorhanden sind.
Übergangsphase und Weiterentwicklung im System
Die Branche befindet sich aktuell in einer Übergangsphase. Bereits heute werden verschiedene Maßnahmen diskutiert und umgesetzt, um die Umstellung zu begleiten.
Dazu zählen unter anderem:
- neue Registrierungs- und Teilnahmephasen für Ferkelerzeuger
- Anpassungen in der Kettenorganisation zwischen Ferkel und Mast
- mögliche Härtefall- und Übergangslösungen für Betriebe in der Umstellung
- sowie die Weiterentwicklung von Förder- und Vergütungsmodellen

Ziel ist es, die bestehenden Strukturen schrittweise an die neuen Anforderungen anzupassen und gleichzeitig die Teilnahme am ITW-System möglichst breit zu erhalten.
Chancen durch geschlossene Systeme
Neben den organisatorischen Herausforderungen ergeben sich auch neue Perspektiven:
- klarere und stabilere Lieferbeziehungen innerhalb geschlossener Ketten
- einheitlichere Planbarkeit von Tierwohlprogrammen
- transparentere Zuordnung von Leistungen entlang der Wertschöpfungskette
- stärkere Positionierung im Markt durch nachvollziehbare Herkunftssysteme
Fazit: Strukturentwicklung statt Systembruch
Die Einführung der durchgängigen Nämlichkeit ab 2027 ist vor allem als strukturelle Weiterentwicklung der Initiative Tierwohl zu verstehen.
Sie führt dazu, dass Lieferketten künftig stärker miteinander verknüpft werden und Tierwohlleistungen eindeutiger zugeordnet werden können.
Für landwirtschaftliche Betriebe bedeutet das vor allem:
Die Zusammenarbeit entlang der gesamten Produktionskettegewinnt weiter an Bedeutung.
Wer bestehende Partnerschaften überprüft und frühzeitig funktionierende Strukturen aufbaut, kann die kommenden Veränderungen für eine höhere Stabilität in der Vermarktung nutzen.
Ausblick
Die Entwicklung hin zu stärker strukturierten Haltungs- und Vermarktungssystemen betrifft nicht nur die Schweinehaltung, sondern ist Teil eines übergeordneten Trends in der Tierhaltung insgesamt.
Auch in anderen Bereichen gewinnen höhere Haltungsstufen, nachvollziehbare Herkunftssysteme und klare Lieferketten zunehmend an Bedeutung.
ProFarm begleitet die Entwicklung
ProFarm unterstützt landwirtschaftliche Betriebe dabei, sich frühzeitig auf veränderte Markt- und Systemanforderungen einzustellen.
Dazu gehören insbesondere:
- die Einordnung neuer Anforderungen wie der Nämlichkeit
- die Unterstützung beim Aufbau stabiler Lieferketten
- sowie die Begleitung bei Vermarktungs- und Strukturfragen entlang höherer Haltungsformen
So können Betriebe Entwicklungen im Markt nicht nur nachvollziehen, sondern aktiv für ihre eigene Ausrichtung nutzen.
Dieser Artikel wurde verfasst von:



