Neue ITW-Programme 3 und 4: Entwicklungen und Auswirkungen auf die Schweinehaltung

Die Schweinehaltung entwickelt sich weiter – und mit ihr auch die Anforderungen des Marktes. Themen wie Tierwohl, Herkunft und transparente Haltungssysteme spielen für Handel und Verbraucher eine immer größere Rolle. Genau deshalb hat die Initiative Tierwohl (ITW) ihre Programme seit März 2026 um die Programme 3 („Frischluftstall“) und 4 („Auslauf“) erweitert.

Für viele Betriebe stellt sich aktuell die Frage:
Was bedeutet das konkret für meinen Betrieb – und welche Chancen ergeben sich daraus?

EU-Richtlinie EmpCo stärkt Transparenz und Schutz vor irreführender Werbung

Schon heute ist klar:
Verbraucher wünschen sich mehr Transparenz darüber, wie Tiere gehalten werden.

Die neuen ITW-Programme schaffen die Grundlage für ein einheitliches und verlässliches Vermarktungs- und Auditierungssystem. Anlass hierfür ist unter anderem die EU-Richtlinie EmpCo, die künftig strengere Vorgaben für die Kommunikation von Tierwohl- und Nachhaltigkeitsaspekten vorsieht. Die Verbraucherinnen und Verbraucher sollen so vor Falschaussagen sowie irreführender Werbung geschützt werden.

Was steckt hinter den neuen ITW-Programmen?

Neben dem bekannten Programm „Stall plus Platz“ (Haltungsform 2) kommen jetzt zwei weitere Programme hinzu:

  • ITW Frischluftstall (HF 3)
  • ITW Auslauf (HF 4)

Die Programme bauen aufeinander auf. Wer die Anforderungen einer höheren Stufe erfüllt, erfüllt automatisch auch die Vorgaben der darunterliegenden Stufen. Das schafft mehr Flexibilität in der Vermarktung und sorgt für klare Strukturen innerhalb der Lieferkette.

Haltungsform 3 und 4: Mehr Tierwohl durch Außenklima und mehr Platz

Die Haltungsform 3 setzt auf mehr Platz und den Kontakt zum Außenklima.

Dabei sind je nach Tierart unterschiedliche Stallkonzepte möglich:

  • Offenfrontställe,
  • Stalllösungen mit Außenklimabereich,
  • oder Systeme mit Auslauf.

Die Stufe 4 „Auslauf“ geht noch einen Schritt weiter.

Hier kann der Frischluftreiz durch einen separaten Auslauf mit Festfläche geschaffen werden. Gleichzeitig steht den Tieren eine noch größere Bewegungsfläche zur Verfügung. Viele Betriebe beschäftigen sich bereits heute mit solchen Konzepten.
Die ITW schafft dafür mit den neuen Programmen einen klaren und einheitlichen Rahmen.

ITW-Systematik als Grundlage flexibler Vermarktung entlang der Haltungsstufen

Die Programme bauen aufeinander auf und ermöglichen Betrieben eine schrittweise Weiterentwicklung – von HF 2 über HF 3 bis hin zu HF 4. Das schafft Planungssicherheit und eröffnet Tierhaltern die Möglichkeit die Entwicklungen am Markt an die Gegebenheiten des eigenen Betriebs anzupassen.

Auch für Schlachtbetriebe und den Lebensmitteleinzelhandel bietet die Systematik Vorteile: Produkte aus höheren Haltungsformen können bei Bedarf ohne Mengenbegrenzung in niedrigeren Stufen vermarktet werden. Das erhöht die Flexibilität sowie die Wertschöpfung in den Lieferketten und sorgt für zusätzliche Abnahme- und Vermarktungssicherheit. Gleichzeitig trägt dies zu einer nachhaltigeren Nutzung vorhandener Warenströme bei.

Die gesamte Lieferkette rückt stärker in den Fokus

Künftig wird außerdem die Rückverfolgbarkeit entlang der gesamten Produktionskette wichtiger.

Das bedeutet:
Ferkelerzeugung, Aufzucht und Mast sollen noch enger miteinander verzahnt werden.

Dadurch entstehen langfristig stabilere und transparentere Lieferketten – ein Vorteil sowohl für die Betriebe, die Vermarktung als auch für Verbraucher und Handel.

Unser Fazit

Die neuen ITW-Stufen 3 und 4 sind ein weiterer Schritt hin zu einer zukunftsorientierten Schweinehaltung.

Sie schaffen:

  • klare Standards,
  • strengere EU-Vorgaben für mehr Transparenz,
  • flexible Vermarktungsmöglichkeiten und langfristige Perspektiven für landwirtschaftliche Betriebe

Natürlich sieht jeder Betrieb anders aus und nicht jede Lösung passt zu jedem Standort. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig mit den Möglichkeiten auf dem eigenen Betrieb und den Entwicklungen am Markt auseinanderzusetzen.

Ausblick: Die Entwicklung betrifft nicht nur die Schweinehaltung

Die Initiative Tierwohl baut ihre Programme aktuell Schritt für Schritt auch für weitere Tierarten aus. Neben Schwein spielen höhere Haltungsformen inzwischen ebenfalls bei:

  • Rind,
  • Geflügel
  • und weiteren Bereichen der Tierhaltung

eine immer größere Rolle. Die neuen ITW-Programme „Frischluftstall“ und „Auslauf/Weide“ wurden inzwischen nicht nur für die Schweine- bzw. Geflügelhaltung, sondern auch für die Rindermast vorgestellt.

ProFarm begleitet Betriebe praxisnah entlang des gesamten Prozesses – von der Planung über die Umsetzung bis zur Vermarktung. Dazu gehören die fachliche Beratung, die Bündelung der Programme sowie die Organisation der Vermarktung aus einer Hand.

Ihr habt noch Fragen? Meldet euch gerne bei uns:

Anne Schulze-Terharn

Pauline Alffen