Die Diskussion um höhere Haltungsformen begleitet die Rindermast schon seit Jahren. Viele Betriebe haben investiert, andere planen aktuell ihre nächsten Schritte und wieder andere fragen sich, welche Anforderungen künftig überhaupt gelten werden.
Mit den neuen ITW-Programmen für die Haltungsformen 3 und 4 gibt es jetzt deutlich mehr Klarheit. Das ist wichtig, denn wer heute einen Stall baut oder umbaut, entscheidet nicht für die nächsten zwei oder drei Jahre, sondern oft für die nächsten Jahrzehnte.
Mehr Orientierung für Betriebe
Die neuen Programme schaffen erstmals einen einheitlichen Rahmen für die Vermarktung von Rindern aus Frischluftställen und aus Systemen mit Auslauf oder Weidezugang.
Für viele Mäster ist das zunächst einmal eine gute Nachricht. Denn klare Anforderungen helfen dabei, Investitionen besser zu planen und zukünftige Vermarktungswege sicherer einzuschätzen.
Frischluftstall: Jetzt wird konkreter definiert
Ein Thema, das in der Praxis immer wieder für Diskussionen gesorgt hat, sind sogenannte Spaceboard-Ställe. Viele Betriebe arbeiten seit Jahren mit diesen Systemen, trotzdem fehlten bislang eindeutige Vorgaben.
Das ändert sich nun.
Für reine Spaceboard-Ställe ohne zusätzliche Offenfront gelten künftig konkrete Anforderungen an die Öffnungsflächen und den Schlitzanteil. Die Übergangsfrist bis Anfang 2028 gibt den Betrieben dabei Zeit, bestehende Systeme zu prüfen und gegebenenfalls anzupassen.
Wichtig ist aus unserer Sicht vor allem eines: Wer sich frühzeitig mit seinem Stallkonzept beschäftigt, hat später mehr Handlungsspielraum und vermeidet unnötigen Zeitdruck.
Die Fütterung: Wahrscheinlich das Thema mit den meisten Fragen
Besonders viele Rückfragen erreichen uns aktuell zur neuen Fütterungsregelung.
Ursprünglich war vorgesehen, den Einsatz von regionalem Futter stärker in den Fokus zu stellen. In der praktischen Umsetzung hätte das jedoch einen erheblichen Dokumentations- und Kontrollaufwand bedeutet.
Deshalb wurde ein anderer Weg gewählt:
Künftig müssen mindestens 80 Prozent der Futtermittelrohstoffe in der Ration vom Tierhalter selbst erzeugt oder in den Mitgliedstaaten der EU-27 angebaut und verarbeitet worden sein. Ausgenommen hiervon sind Futtermittelzusatzstoffe, Vormischungen und Mineralfutter.
Die verbleibenden bis zu 20 Prozent der Futtermittelrohstoffe können auch aus anderen Herkunftsregionen stammen. Sie dürfen jedoch nicht nach der Verordnung (EG) Nr. 1829/2003 kennzeichnungspflichtig sein. Damit gilt für die gesamte Ration, dass keine kennzeichnungspflichtigen GVO-Futtermittel eingesetzt werden dürfen.
Auf den ersten Blick klingt diese Regelung einfach. In der Praxis kommt es jedoch vor allem auf die Dokumentation an.
Betriebe müssen nachweisen können, woher ihre Futtermittel stammen und dass die Anforderungen eingehalten werden. Dies kann über eigene Anbauunterlagen, Zertifizierungen wie VLOG, Lieferantenbescheinigungen oder entsprechende Warenbegleitdokumente erfolgen.
Entscheidend ist dabei nicht die einzelne Futterkomponente, sondern die gesamte Ration, die tatsächlich im Trog landet.
Unser Eindruck: Viele Betriebe erfüllen diese Anforderungen bereits heute weitgehend. Dennoch lohnt es sich, die vorhandenen Nachweise frühzeitig zu prüfen und gemeinsam mit den Futtermittellieferanten mögliche Dokumentationslücken zu schließen.
Was viele überrascht: Es gibt keine festen Zuschläge
Eine Frage hören wir aktuell besonders häufig:
„Was bekomme ich denn künftig für HF 3 oder HF 4?“
Die Antwort fällt differenziert aus.
Für die neuen ITW-Programme wurden keine festen Aufpreise festgelegt. Bestehende Vermarktungsmodelle zwischen Landwirten, Erzeugergemeinschaften, Schlachtunternehmen und Handel sollen weiter genutzt werden können.
Das sorgt auf der einen Seite für Flexibilität. Auf der anderen Seite zeigt es aber auch, wie wichtig verlässliche Vermarktungspartner und langfristige Vereinbarungen für investierende Betriebe bleiben.
Denn höhere Standards müssen sich am Ende auch wirtschaftlich tragen.
Herkunft wird immer wichtiger
Neben Tierwohl und Haltung rückt ein weiteres Thema zunehmend in den Mittelpunkt: die Herkunft.
Verbraucher möchten wissen, wo ihr Fleisch herkommt. Gleichzeitig wünschen sich viele Landwirte, dass die Leistungen deutscher Betriebe sichtbarer werden.
Aus unserer Sicht wird die Kombination aus Herkunft, Tierwohl und nachvollziehbarer Produktion in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen. Betriebe, die diese Anforderungen erfüllen und transparent kommunizieren können, werden davon profitieren.
unser fazit
Die neuen ITW-Programme bringen nicht auf jede Frage eine Antwort. Sie schaffen aber deutlich mehr Orientierung als bisher.
Besonders bei den Themen Stallgestaltung und Fütterung liegen jetzt konkrete Vorgaben auf dem Tisch, mit denen Betriebe arbeiten können.
Wer bereits in höheren Haltungsformen produziert oder einen Umstieg plant, sollte die Anforderungen jetzt genau prüfen und die eigene Situation bewerten. Je früher mögliche Anpassungen erkannt werden, desto einfacher lassen sie sich umsetzen.
Wenn ihr Fragen zu den neuen Programmen, zu Vermarktungsmöglichkeiten oder zu den Anforderungen an euren Betrieb habt, sprecht uns gerne an. Genau dafür sind wir da.
Ihr habt noch Fragen oder wollt euch weiter informieren?
Wir helfen euch gerne weiter:
Christian de Joung
(Norden)

Johannes Raupp
(Süden)

